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Eine Kirchenburg war der Ursprung Kleinheubachs

Der heutige evangelische Kirchhof ist der Rest einer
spätmittelalterlichen Kirchenburg. Gleichzeitig ist dieser Ort der Ursprung und die Keimzelle Kleinheubachs.
Die Anlage geht auf die Herrschaft der Grafen von Rieneck zurück, die Kleinheubach vom Mittelalter bis 1559 beherrschten. Sie errichteten hier ein „festes Haus“, d.h. eine mittelalterliche Turmburg als sichtbares Zeichen ihrer
Herrschaft (erstm. erwähnt 1260). Bestandteil der Anlage war auch eine Kirche, die an dem Ort der heutigen Kirche stand. Von ihr ist nur noch die Glocke und eine gotische Türeinfassung erhalten. Die Anlage war mit einer Befestigungsmauer umgeben, die mainseitig noch erhalten ist. Um diesen Stützpunkt gräflicher Herrschaft entwickelte sich das mittelalterliche Kleinheubach entlang der heutigen Marktstraße. Es war von einer Befestigungsmauer mit mehreren Toren umgeben, von denen heute nur nach das Fahrtor am Main, direkt angrenzend an das Kirchenensemble, steht.
Am rechten Flügel der Kirchenburg sind heute noch mehrere Gaden
(Vorratsgebäude) zu sehen – die Quellen sprechen von ursprünglich
16 Gaden - die sich rings um die Befestigungsmauer zogen. Inwieweit
die Kleinheubacher Kirchenburg eine wehrhafte Anlage war, lässt
sich nicht mit Sicherheit sagen. Historische Quellen sprechen von
„Wehrgängen“ an der Kirchhofmauer, die später eingerissen wurden. Das "feste Haus" wurde beim Bau der "Alten Schule" 1874 abgerissen.
Bis ins 13. Jahrhundert wurden auch die Toten in Kleinheubach auf dem Kirchhof rund um die Kirche bestattet. Davon zeugen gefundene Steinsarkophage. Im Kirchenschiff selbst wurden bis ins 18. Jahrhundert höhere Persönlichkeiten bestattet, einige der Grabtafeln haben ihren Ort heute auf dem Kirchhof gefunden.
Die Kirchenburg ist Ursprung Kleinheubachs und blieb über Jahrhunderte religiöses und herrschaftliches Zentrum Kleinheubachs. Mit dem Bau der Georgenburg durch die Grafen von Erbach um das Jahr 1600 verlagerte sich allerdings das Zentrum der weltlichen Herrschaft an den Ortsrand, der Kirchhof entwickelte sich mehr und mehr zum Schulort. Am rechten Flügel der Kirchenburg steht noch das Schulgebäude von 1728, eine spätere Schule auf der gegenüberliegenden Seite wurde durch das heutige Gemeindehaus überbaut, den Abschluss bildet die heutige „Alte Schule“, in der die Kleinheubacher Kinder bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts unterrichtet wurden.
Die heutige barocke Pfarrkirche St. Martin wurde in den Jahren 1707-10 erbaut. Bauherren waren Graf Philipp-Ludwig von Erbach mit seiner Gemahlin Albertine Elisabeth Fürstin von Waldeck/Pyrmont. Sie ist jedoch sicher schon die dritte Kirche, die an diesem herausgehobenen Ort gebaut wurde.
Der hohe Glockenturm stammt noch aus dem Vorgängerbau von 1455, ebenso die sehenswerten Fresken im Turm und an der Rückwand des Kirchenschiffes. An der Decke des Glockenturmes erkennt man noch die 3 Holzrohre, durch welche die Stricke zum Läuten der Glocken geführt wurden, bis die "Läutebuben" durch eine Läuteanlage ersetzt wurden.
Die Fresken im Glockenturm zeigen an der Decke die Symbole der 4 Apostel und das Angesicht Christi. Über der Eingangstüre zur Kirche sieht man das Haupt Christi auf dem Schweißtuch der Veronika. Links befindet sich ein Fresko des Heiligen Wendelin, dem Schutzpatron der Bauern, und an der rechten Wandseite der Heilige Martin, Namenspatron dieser Kirche. Bemerkenswert ist ein "Herkulesstein" aus römischer Zeit an der rechten Seite im Kirchturm. Er stammt vermutlich aus dem römischen Kastell, das sich zwischen Miltenberg und Kleinheubach befand.
Der Innenraum der Kirche ist barock gestaltet. Geprägt wird die Kirche durch die Anlage von Kanzel und Chor mit der Orgel, die den Zentralpunkt der Kirche bilden. Geschaffen wurde dieses Meisterwerk aus Holz von dem Meister Eberhard aus Sandbach im Odenwald. Die Einlegearbeiten im Chor aus Nußbaum sind alle noch im Original erhalten und stehen seit 1710 unverändert in voller Pracht. Das Altarbild zeigt die Geburt Christi, ein Motiv, das in anderen Kirchen als Altarbild kaum Verwendung findet. Die Ehrensitze im Chorraum um den Altar waren die Sitzplätze der Bürgermeister und der Gemeindeverwaltung.
Gekrönt wird der Altar durc
h die mächtige Barock-Orgel mit reich verzierter Front. Die Barockorgel des Kleinheubacher Orgelbauers Johann Christian Dauphin aus dem Jahr 1710 wurde in den Jahren 2008 bis 2010 von der Firma "Rieger Orgelbau" rekonstruiert und im Sommer 2010 von Landesbischof Dr. Friedrich eingeweiht.
Bemerkenswert sind zwei kunstvoll aus Buntmetall gefertigte Kronen, die sogenannten "Totenkronen", die in einer Vitrine zu bewundern sind.
Totenkronen waren in früheren Jahrhunderten ein Brauch bei der Bestattung von unverheirateten Männern und Frauen. Wie lange in Kleinheubach diese Totenkronen in Gebrauch waren, ist nicht bekannt. Gottlieb Wagner, um die Wende vom 19. zum 20. Jahrundert Pfarrer in Kleinheubach, schrieb, die Totenkronen seien 1922 anlässlich einer Kirchenrenovierung auf dem Speicher entdeckt worden. Sie wurden dann zunächst als Lampenschirme genutzt, bevor sie wieder in Vergessenheit gerieten und 1994 erneut wiederentdeckt wurden und nun schließlich ihren Platz in der Kirche fanden.
Interessante Hintergründe zum Brauch der Totenkronen finden Sie in einem Beitrag des Deutschlandfunk Kultur.
Hier können Sie diesen Beitrag auch anhören.
Sie wollen mehr über unsere Kirche wissen? Dann empfehlen wir Ihnen unseren Kirchenführer - hier zum download
Einen historischen Überblick über die Geschichte der Kirche gibt es auch zum Nachhören in der Sendung "12-Uhr-Läuten" des Bayerischen Rundfunks von 2011.
Hier die Sendung:
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